Wer steckt hinter dem diesjährigen Gesicht von Lípa Musica?

Martina Chloupa, Malerin und Bildhauerin, die an der Grenze zwischen bildender Kunst und Szenografie wirkt, wurde im Jahr 2025 zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Musikfestivals Lípa Musica. Vielleicht fragen Sie sich, warum ein Musikfestival Interesse an einer Verbindung mit der bildenden Kunst haben sollte. Die Antwort ist einfach – weil Musik mehr ist als Klang. Musik ist Emotion. Und die bildende Kunst vermag sie nicht nur einzufangen, sondern auch zu verstärken. Lípa Musica hat vor, für jedes Festivaljahr einen anderen bildenden Künstler einzubeziehen. Das Gesicht des Festivals wird so jedes Mal anders sein: bunt, melancholisch, stürmisch, farbenfroh oder gedämpft, doch stets originell und eigenständig.

Schicksalhafte Begegnungen
Im vergangenen Jahr lud das Festival Patrik Hábl zur Zusammenarbeit ein, nachdem eine Ausstellung Hábels in Liberec den Festivaldirektor Martin Prokeš derart verzaubert hatte, dass er den Maler ansprach. 2025 arbeitet das Festival mit Martina Chloupa zusammen. Für Martina, die in Česká Lípa geboren wurde, ist die Einladung zur Zusammenarbeit eine persönliche Angelegenheit. „Ich empfinde es als eine schicksalhafte Begegnung, eine Rückkehr nach Hause,“ bekennt die Künstlerin, „und auch als eine Gelegenheit, durch meine Werke Teil der Verbindung von Musik und bildender Kunst zu sein.“

Martina Chloupa, deren abwechslungsreiches berufliches Leben Malerei, Bildhauerei, Installationen und Szenografie umfasst, gehört zu der Generation, die sich in unserer Kunstgeschichte in der Zeit nach der Samtenen Revolution formte. Ihr beruflicher Werdegang ist vielfältig: Kunstgewerbe-Fachschule für Glas in Kamenický Šenov, Institut für Kunst an der UJEP in Ústí nad Labem (heute Fakultät für Kunst und Design), intermediale Schule von Milan Knížák an der Akademie der bildenden Künste in Prag, Praktika in den Bildhauerschulen von Jan Hendrych und Jan Koblasa und schließlich wieder Knížáks Atelier, wo sie 2006 ihr Studium abschloss. Sie ist in der Nationalgalerie in Prag sowie in weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Seit 2012 hat sie ihr Atelier im Prager „Pragovka“-Areal, wo sie eine inspirierende Gemeinschaft gefunden hat.

Bildhauerei, Malerei, Installationen und damit verbundene Materialexperimente sind auch heute Martinas Schwerpunkt. Ihre künstlerische Vision ist – auch durch die Materialien, mit denen sie arbeitet – geprägt von der Achtung vor klassischem Handwerk und der damit verbundenen Demut gegenüber jeder Form von Gestaltung. In ihrem Werk bewegt sie sich zwischen figurativen Porträts und Abstraktion, zwischen mutigen Installationen und intimen Gemälden. Zu den zentralen Themen, mit denen sie sich befasst, gehören die Figur, Naturmotive und Symbolik. Sie gesteht, dass Schaffen für sie eine existenzielle Notwendigkeit ist:

„Wenn ich mich nicht mit bildender Kunst beschäftigen könnte und es auch heimlich nicht ginge, weiß ich nicht, ob ich nicht verrückt werden würde. Oder ich müsste mich anders ausdrücken, vielleicht als Schriftstellerin. Das liegt mir näher als Sängerin oder Komponistin zu sein. Manche hören Verschiedenes und stellen sich Klänge und Töne vor. Ich hingegen sehe Verschiedenes und stelle mir Bilder oder Skulpturen vor – und das lässt mir keine Ruhe, bis ich wenigstens versuche, sie zu verkörpern. Wenn ich kreiere, fühle ich mich normal.“

Verschiedene Welten, dasselbe Ziel
Musik und bildende Kunst stellen zwei unterschiedliche Wahrnehmungswelten dar, die sich jedoch perfekt ergänzen können. Musik spricht in erster Linie Gehör und Emotionen an, während die bildende Kunst auf Sehsinn und Intellekt wirkt. Beide Richtungen teilen jedoch die Fähigkeit, tiefe Erlebnisse zu vermitteln und innere Bilder zu schaffen. Wenn ein Maler eine Melodie auf der Leinwand darstellt oder ein Komponist ein Bild musikalisch zum Leben erweckt, verbinden sich zwei Dimensionen menschlichen Erlebens.

„Ich glaube, dass Musik und bildende Kunst nur zwei verschiedene Werkzeuge zur Wahrnehmung und zum Ausdruck desselben sind. Eine Farbe kann genauso stark eine Atmosphäre hervorrufen wie ein Ton oder Klang eines Instruments. Für mich ist es selbstverständlich, Emotionen visuell oder räumlich zu verkörpern.“

Chloupa gesteht, dass sie in ihrer Arbeit bisher keine direkte Verbindung von Musik und bildender Kunst erlebt hat. Wenn sie schafft, ist sie häufiger von Stille als von Musik umgeben – in einer Welt eigener Klänge und Töne, die sich dann in ihrem Werk materialisieren. Übrigens gehört der Vorhang zu ihren charakteristischen Motiven. Ein Vorhang verbirgt, er weckt Erwartungen. Er teilt den Raum in ein Davor und ein Dahinter. Und es gibt Momente, in denen der Vorhang zerreißt. Dieses symbolische Element drückt die Grenze zwischen Realität und Fantasie, Sichtbarem und Verborgenem aus. Genau wie die Musik.

Martina Chloupa ist überzeugt, dass Kunst bei uns zu wenig medial präsent ist und im öffentlichen Raum nach wie vor nicht ausreichend sichtbar. Sie hätte ein viel größeres Gewicht verdient – und die Zusammenarbeit mit einem Musikfestival kann schließlich auch dazu beitragen. Es ist eine einzigartige Möglichkeit, die Werke bildender Künstlerinnen und Künstler einem breiteren Publikum näherzubringen.

Wie nimmt sie also die Rolle der bildenden Kunst bei einem Musikfestival wahr? Sie sollte eine Ergänzung sein, die die Schönheit der Musik und die Emotionen unterstreicht und hervorhebt, ohne die Aufmerksamkeit nur auf sich zu ziehen. „Bildende Kunst sollte bei einem Musikfestival die Rolle eines visuellen Bühnenbilds haben, ein nicht-invasives Beiwerk wie ein schönes Kleid an einer Sängerin. Das Publikum sollte nach dem Konzert das Gefühl mitnehmen, dass es nicht nur etwas Schönes gehört, sondern auch flüchtig gesehen hat,“ schließt Martina Chloupa, die am stärksten zur Atmosphäre des Konzerts in Drchlava beitragen wird. Was bereitet sie für dieses Konzert vor? Kommen Sie und überzeugen Sie sich selbst.