„Machaut vollendete den Musikstil der Ars nova und gilt zu Recht als der bedeutendste französische Komponist und Dichter des Hochmittelalters.“
Vojtěch Semerád
Guillaume de Machaut: Das Urteil des böhmischen Königs
Cappella Mariana
Cappella Mariana
Hana Blažíková, Sopran, gotische Harfe
Vojtěch Semerád, Tenor, Fidel
Mélusine de Pas, Tenorfidel
Jakub Kydlíček, Flöten, Perkussion
Jaromír Meduna, Erzähler
Guillaume de Machaut (cca 1300-1377)
Le Jugement du Roy de Behaigne (Das Urteil des böhmischen Königs)
Joie, plaisence et douce norriture, chanson roial
Qui naroit autre deport, lai
Tres douce dame que j’aour
De bon Espoir, motet
De desconfort, ballade
Double Hoquetus
Doulze amis, ballade
De tout flours
En mon cuer, virelai
J’aim sans penser
Dame, de qui toute ma joie, ballade
Amours me fait desirer, ballade
Helas! Tan ay dolour
Douce dame jolie, virelai
Die Liebeslyrik
Vorläufer moderner Liebeslieder
Träger der hochmittelalterlichen Kultur war die geistliche und herrschende Gesellschaftsschicht. Der höchste Ausdruck von Musik und Literatur an den mittelalterlichen Herrscherhöfen war die höfische Lyrik. Ihre reinsten Ausprägungen verliehen dem fränkischen und französischen Königshof ihr besonderes Kolorit, von wo aus sie sich über ganz Europa verbreiteten und durch die mit Frankreich verbundenen Luxemburger auch nach Böhmen gelangten. Hauptrepräsentant dieser französischen Inspiration war Guillaume de Machaut, der einen großen Teil seines Lebens im Dienst des böhmischen Königs Johann von Luxemburg verbrachte und zu den bedeutendsten Komponisten und Dichtern des 14. Jahrhunderts zählt.
„Machaut war eine herausragende Persönlichkeit von gesamteuropäischem Rang. Er experimentierte mit Gattungen, liebte Doppeldeutigkeiten und Wortspiele, wagte es, die musikalische Form aufzulockern. Er war ein Innovator mit einem enormen Maß an Zeitlosigkeit.“
Vojtěch Semerád
In Machauts frühem Werk „Das Urteil des böhmischen Königs“ schildert der Erzähler ein Gespräch zwischen einer Dame und einem Ritter. Der Geliebte der vornehmen Dame ist ums Leben gekommen, und der Ritter wurde von der Dame seines Herzens verraten. Gegenseitig berichten sie von ihrem Schmerz, und es ist am Erzähler zu entscheiden, wessen Leid größer ist. Zur Schlichtung dieses Streits ruft er den böhmischen König zu Hilfe. Johann von Luxemburg erscheint hier als majestätischer Herrscher voller Lebenserfahrung, Weisheit und Großmut.
Der reiche Text der mittelalterlichen Hofliteratur wird von Machauts musikalischen Werken durchzogen, die die Regungen der menschlichen Seele zum Ausdruck bringen. Die seltene, siebenhundert Jahre alte Notation erstaunt bis heute durch ihre Vielfalt und Ausdruckskraft. In der sorgfältigen Einstudierung von Cappella Mariana handelt es sich nicht nur um ein musikalisches Erlebnis, sondern um eine perfektionistische Rekonstruktion des Phänomens der mittelalterlichen höfischen Lyrik.
„Das Konzert war eine außergewöhnliche Begegnung mit Musik, die nicht nur eine historische Kuriosität ist, sondern auch eine nach wie vor lebendige Sprache menschlicher Gefühle. … Das Publikum wurde sieben Jahrhunderte zurückversetzt – oder vielleicht noch tiefer in sein Innerstes.“
Blanka Hrubá, OperaPlus
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